Die Bilderwelt Ihrer Marke: Probleme mit Stockfotos

Die Nutzung von Stockfotos für die Bilderwelt der Marke ist bei vielen Unternehmen beliebt. So scheint es doch eine günstige, schnelle Alternative zu einem Fotoshooting. Leider kommt es dabei immer wieder zum doppelte Lottchen-Problem. Was wir genau damit meinen und noch mehr Wissenswertes zu Stockbildern gibt’s hier.

Als „den größten Fehler seines Lebens“ bezeichnet NICCOLÒ MASSARIELLO die Unterschrift, mit der er seine Rechte abtrat, um sein Gesicht für Stockfotos herzugeben. Fortan gingen diese Bilder um die Welt und wurden für die verschiedensten Einsatzzwecke genutzt. Sein Gesicht wurde für Werbung von Milchprodukte und Likör eingesetzt oder schmückte das Cover eines Buches. Zur Krönung wurde er sogar ein venezolanischer Posterboy für Paraphimose.

selbes Stockbild - andere Marke

Source: Der größte Fehler meines Lebens

Auch wenn viele Stockfotoagenturen in ihren AGBs vorschreiben, die Bilder z.B. nicht für „pornografische, unzüchtige oder verleumderische Werke“ zu nutzen, so gibt es doch genug erlaubte Zwecke, die nicht minder problematisch sind, werden sie mit dem eigenen Gesicht in Verbindung gebracht.

Vorsicht: Verwechslungsgefahr!

Nun mag man sagen, dass dies den Models ja klar sein müsste und den wenigstens macht dies vielleicht etwas aus. Schwierig wird es aber, für die Marken, die diese Fotos nutzen und keine Exklusivrechte an den Bildern haben. So teilten sich im Sommer 2013 die NPD, die Grünen und eine finnische Agentur (für fiktiven Speisequark) dieselbe Familie in ihren Werbespots.

Bilderwelt Bsp. 2: gleiche Familie

Source: Sebastian Brux

Damit wurde dieses Familienbild als Symbol für drei Marken genutzt, die unterschiedlicher wohl kaum sein könnten. Welcher Marke sich die betroffene (und wahrscheinlich untereinander nicht einmal blutsverwandte) Familie am ehesten zugehörig fühlt, ist unterdessen nicht bekannt.

Das Problem: Austauschbarkeit!

Und damit sind wir schon beim größten Problem, der Austauschbarkeit! Und das, wo es doch jeder Marke und jedem Unternehmen meist ein großes Anliegen ist, möglichst individuell und einzigartig aufzutreten. Nicht nur die Verwechslungsgefahr bei mehrfach genutztem Material, sondern auch die Seelenlosigkeit, die Stockbildern oft anhaftet, kann diesen Effekt bewirken:

  • Gestellte Situationen
  • Falsch lächelnde und glatt gebügelte Businessmänner- und Frauen im weißen Hemd,
  • Die blonde Frau mit Headset
  • Der Klassiker, das Geschäftsmeeting mit Menschen unterschiedlichster Herkunft, die Internationalität und Offenheit der Marke repräsentieren sollen.

Bilderwelt: Business Meeting: Seelenlose Stockbilder

Source: Freepik

Ein Unternehmen, das mit solchen Bildern wirbt, sagt damit aber vor allem eins: „Wir geben nichts von uns preis.“ Diesen Bildern merkt man an, dass sie keine echten Mitarbeiter zeigen und so suggerieren sie dem Betrachter, dass sich hier jemand auf unehrliche Weise versucht positiv darzustellen. Jeglicher Charakter und Markenpersönlichkeit gehen dabei verloren.

Skurril bis gruselig

Stockbilder werden nicht nach Auftrag, sondern auf fiktive Situationen hin erstellt. Damit sie einen möglichst breiten Absatz finden, müssen sich die Fotografen diese Situationen vorher konstruieren und überlegen, wonach die Nutzer wohl suchen könnten. Welche absurden Motive dabei teilweise entstehen, hat Journalist Andy Kelly in seinem Twitter Account darkstockphotos gesammelt.

Bilderwelt Bsp. 4: Website Dark Stock Photos

Source: darkstockphotos

Stockfotografie vs. individuelles Shooting

Natürlich gibt es unter der Stockfotografie auch andere Beispiele und es finden sich durchaus charaktervolle und authentische Bilder. Doch stößt man schnell an seine Grenzen, möchte man ein für das Unternehmen festgelegtes Bildkonzept umsetzen. Meistens sind es nur Details, die nicht passen und sich durch Retuschen beheben lassen. Wer bereit ist, hier Kompromisse einzugehen, findet in Stockfotos eine günstige Alternative zu einem aufwändigen Shooting. Möchte man sichergehen, dass niemand sonst die Bilder verwendet, so muss man schon Exklusivrechte erwerben. Und je nach Verwendungszweck, Auflage, Verbreitungsgebiet etc. kann es dann doch teuer werden. Da wird das Shooting dann in vielen Fällen wieder zu einer interessanten Option. Denn hier lässt sich im Vorfeld ein genaues Bildkonzept festlegen, die Models können echte Mitarbeiter sein, Licht, Perspektiven und andere Stilmittel lassen sich bewusst einsetzen. Und man bekommt alle Rechte an den Bildern, exklusiv und ohne Nutzungsbeschränkung.

Bilderwelt Bsp.5: individuelles Shooting

Dass so ein Shooting nebenbei auch noch unglaublich viel Spaß macht, haben wir zuletzt wieder feststellen dürfen, als wir unseren Kunden Frank Schröder alias Sportlerherz auf eine morgendliche Joggingrunde begleiten durften. Die dort entstandenen Bilder wurden in erster Linie für seine Imagebroschüre produziert, werden demnächst aber auch auf seiner neuen Webseite zu sehen sein.

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